Europäische Vereinigung für
Vitalität und Aktives Altern e.V.

Hormonsubstitution und Vitalität

JenaPharm GmbH & Co. KG

Otto-Schott-Str. 15
D-07745 Jena

Forschungsprojekt: Hormonsubstitution und Vitalität

- Untersuchungen im Rahmen einer Postmarketingstudie -

Studienbeginn: 1. Oktober 2001
Studienabschluss: 20. Mai 2002
Wissenschaftliche Betreuung: Priv.-Doz. Dr. med. Dagmar Meißner-Pöthig und Dr. med. habil. Thomas Zimmermann

Studienergebnis

Die Gesundheit der Frau: Klimakterium, Vitalität und Hormonsubstitution

Ergebnisse einer funktionsdiagnostischen Pilotstudie*

von Thomas Zimmermann und Rainer Domhardt, Jena; Dagmar Meißner-Pöthig, Norman Bitterlich und Andrea Grässler, Berlin/Leipzig; Jutta Schmidt-Pich, Hannover; Dolores Foth, Köln; Udo Michalak, Bad Wildungen; Jörg Schulz und Bernd Schicke, Berlin;

Zusammenfassung

Das klimakterische Syndrom gehört aufgrund seiner enormen epidemiologischen und klinisch-praktischen Bedeutung zu den Herausforderungen in der medizinischen Forschung. Erstaunlicherweise sind jedoch Publikationen zur Objektivierung klimakterischer Vitalitätsminderungen sowie der damit verbundenen Einschränkung der Leistungsfähigkeit und gesundheitsassoziierten Lebensqualität der betroffenen Frauen - sieht man von rein subjektiv erfassten Fragebogen-Rating-Scores zu Befindlichkeitsstörungen der Frauen ab - im internationalen Schrifttum nicht zu finden.

Die Gynäkologie wird sich jedoch der zunehmenden Forderung nach einer evidence-based medicine (EBM) speziell für diesen Indikationsbereich auf Dauer nicht verschliessen können. Interessante Fortschritte auf diesem Gebiet verspricht der Einsatz der in der Gerontologie entwickelten Vitalitätsdiagnostik. Es handelt sich dabei um ein funktionsdiagnostisches Verfahren mit interdisziplinärem sowie geschlechts- und altersvalidiertem Ansatz. Die Erfahrungen einer ersten Pilotstudie zur Effektivitätsbewertung der Hormonsubstitution bei klimakterischem Syndrom unter dem Aspekt der Vitalität und gesundheitsassoziierten Lebensqualität weisen es als ein verlässliches, informatives und gut handhabbares Evaluierungsinstrument aus. Damit ist nicht nur ein objektiver Prä-Post-Vergleich für wissenschaftliche Fragestellungen und Anwendungsstudien möglich, sondern zudem eine Compliance fördernde Therapiekontrolle in der Frauenarztpraxis.

Darüberhinaus konnte erstmalig in der Pilotstudie die nach einer nur zweimonatigen Hormonsubstitution eingetretene Revitalisierung und Verbesserung der gesundheits-assoziierten Lebensqualität der betroffenen Frauen interdisziplinär-integrativ in Form des ermittelten summativen Vitalitätsindexes (Functional Age Index, FAI) messbar objektiviert werden.

Die Ergebnisse der vorliegenden funktionsdiagnostischen Studie weisen zudem differenziert auf die psychoneuronale Systemwirkung der HRT auf cognitiver, psychomotorisch-reaktiver, emotonial-sozialer und psychovegetativer Ebene hin. Sie stützen und ergänzen damit komplementär aus klinisch-methodischer Sicht bisherige wissenschaftlich-experimentell belegte neurophysiologische Erkenntnisse zur Wirkung einer Hormonsubstitution bei symptomatischen klimakterischen Frauen (z.B. Schlaflaborforschung; Depressivitätsstudien) und stellen somit ein hilfreiches Bindeglied zwischen der Grundlagenforschung und klinischen Erfahrungswerten dar.

Es zeichnet sich somit die interessante und vielversprechende Möglichkeit ab, dem Gynäkologen ein vereinfachtes Messinstrument (HRT-Vital-Messplatz) für seine spezifisch praktischen Belange (HRT-Erfolgs- und Qualitätskontrolle; Complianceförderung; IGEL-Leistungen) zur Verfügung zu stellen.

Die bisherigen Veröffentlichungen zum Thema Hormonersatz widmen sich - sieht man von den neuerdings heftig diskutierten Erkenntnissen um die Risikoerhöhung durch Oestrogene ab - ausschliesslich therapeutischen bzw. präventiven Aspekten. Dazu werden recht verschiedene Wirkungen und Zusammenhänge diskutiert: die Beeinflussung von Inkontinenz und Blasenschwäche, Herzinfarkt, Morbus Alzheimer ("cognitive aging") und des manifesten psychovegetativen klimakterischen Syndroms. Auch positive kosmetische Effekte einer Hormonsubstitution auf Haut und Haar lassen sich erfahrungsgemäss nutzen.

In einer aktuellen detaillierten Übersichtsarbeit widmet sich Mueck (1) den evidenzbasierten Ergebnissen grosser Studien (HERS, ERA, etc.) und beschreibt hier ausführlich die zum Teil uneindeutigen und widersprüchlichen Ergebnisse der HRT im Zusammenhang mit der primären bzw. sekundären Prävention des kardiovaskulären Risikos von (post)menopausalen Frauen.

Als gesichert kann der therapeutische Nutzen eines Hormonersatzes bei Frauen für die Prävalenz bzw. Inzidenz von Osteoporose (2) gelten. In diesem Zusammenhang ist gewiss auch der klinische Begriff Hormoneratztherapie zweckmässig und gerechtfertigt. Ihr wirkungsvollstes und am meisten verbreitetes Einsatzgebiet in der klinischen Praxis hat die HRT jedoch seit Jahren im Bereich des manifesten klimakterischen Syndroms. Hier nutzt der Gynäkologe den empirisch überzeugenden Interventionserfolg der Hormonsubstitution bei symptomatischen klimakterischen Frauen. Gestützt werden diese Erfahrungswerte durch neueste Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung, die auf die psychoneuronale Systemwirkung der HRT hinweisen und eine Verbesserung zentraler neurophysiologischer Funktionen durch Hormonsubstitution belegen (3-7).

Erstaunlicherweise sind jedoch bei dieser bedeutsamen Indikationsgruppe Publikationen zur Objektivierung klimakterischer Vitalitätsminderungen sowie der damit verbundenen Einschränkung der Leistungsfähigkeit und gesundheitsassoziierten Lebensqualität der betroffenen Frauen - sieht man von rein subjektiv erfassten Fragebogen-Rating-Scores zu Befindlichkeitsstörungen der Frauen ab - im internationalen Schrifttum nicht zu finden.

Dies ist umso verwunderlicher, da sich in der letzten Zeit eine in Fachkreisen durchaus euphorisch zu nennende Entwicklung abzeichnet, die Hormonersatztherapie als Jungbrunnen"therapie" bzw. als Anti-Aging-Medizin per se zu etablieren. Dieser gerontologische "therapeutische" Ansatz ist jedoch so wissenschaftlich nicht haltbar (8-10). Die Begriffe "Alterungsprävention" und "Anti-Aging-Therapie" unterstellen geradezu subversiv, dass Altern eine Krankheit an sich sei, die behandelt, also therapiert werden könne und müsse. Ursachen- und Wirkungsgefüge des Alternsprozesse werden vertauscht.

Wir haben es deshalb für notwendig erachtet, die notwendigen erkenntnistheoretischen und operationalen Erkenntnisse und Zusammenhänge zum Thema Vitalität, Altern, biologische Alter(n)sdiagnostik sowie des sogenannten "Anti-Aging" in einer Übersichtspublikation differenziert darzustellen(9); insbesondere wird auf den wissenschaftlich gesicherten Stand bei der Nutzung aktiver, adaptativer Prozesse des Organismus im Alternsgang verwiesen (sanogenetisch-gerontologischer Ansatz der Bewegungs- und Ernährungsphysiologie sowie von gesundheitspsychologischen Interventionsmassnahmen).

Gleichzeitig wird dabei herausgearbeitet, dass es ein eminent wichtiger gerontologischer bzw. interdiziplinärer Forschungsschwerpunkt der nahen Zukunft sein wird, herauszufinden, ob überhaupt, wie und in welchem Umfang auch eine substitutive Optimierung des Organismus im Alternsgang (!) objektivierbar Erfolg hat. Dabei sind exogene Substitute wie Vital- bzw. Nahrungsergänzungsstoffe und endogene Substitute (par excellance: die Hormonsubstitution) gleichermassen für Wissenschaft und Wirtschaft interessant. In diesem Kontext sei die hier vorgestellte Pilotstudie und das hier zu besprechende Thema Klimakterium, Hormonsubstitution und Vitalität betrachtet.

Das Evaluierungsinstrument - Vitalitätsdiagnostik

Die Vitalitätsdiagnostik ist eine interdisziplinäres Messinstrument, das in der Gerontologie (beachte: nicht Geriatrie!) entwickelt wurde.

Über:

  • seinen erkenntnistheoretischen und methodologisch-operationalen Ansatz,
  • das interdisziplinäre Testdesign des Verfahrens,
  • seine testmethodischen Gütekriterien und
  • die gewählten Berechnungsalgorithmen,
  • über die Geschlechts- und Altersvalidierung der Funktionsgrössen,
  • die Referenzwertdefinition und
  • Standardisierung,
  • die Praktikabilität des innovativen Diagnostikverfahrens sowie
  • über seine Indikationen und Kontraindikationen und methodischen Eckpunkte sowie
  • die notwendigen sanogenetisch-gerontologischen Fortbildungsinhalte des Konzeptes

wird ausführlich an anderer Stelle informiert (11-14).

Im Ergebnis eines Vitalitäts-Checks stehen als Interventionsregulativ 2 Bewertungskriterien mit durchaus unterschiedlichem Anwendungsspektrum zur Verfügung

  • ein summativer Vitalitätsindex (Functional Age Index, FAI) als interdisziplinär-integratives Mass für den aktuellen Vitalitätszustand und der gesundheitsassoziierten Lebensqualität der untersuchten Person. Dieser Funktionsalterindex kann im Einzelfall erheblich vom kalendarischen Alter abweichen. Er ist ein sehr sinnvolles Evaluierungsmass auch und gerade für substitutive Interventionserfolge (z.B.Hormonsubstitution bei klimakterischen Vitalitätsminderungen).
  • Ein differenzierendes funktionsdiagnostisches Vitalitätsmuster, das die Ebenen körperliche, geistige und emotional-soziale Vitalität repräsentiert und die geschlechts- und alterstypische Bewertung der 45 Funktionsparameter graphisch darstellt. Spezielle Schlüsselmarker helfen bei der Entscheidung, ob ein aktives "Anti-Aging" bzw. eine präventive oder therapeutische Korrektur in die Interventionsrichtung Bewegung, Ernährung und / oder Stressmanagement vorgenommen werden sollte.

Nachfolgend ist ein kurzer Überblick über einige methodische Rahmenbedingungen der Vitalitätsdiagnostik gegeben.

Methodische Rahmenbedingungen der Vitalitätsdiagnostik

1. Struktur des Ablaufs

Der klassische Vitalitäts-Check besteht aus folgenden Einzeltests, die in strikter Reihenfolge vorgenommen werden:

  • Audiometrie (Hörverlust)
  • Fragebögen (BFB, ENR, Gießen-Test, FB "soziale Aktivität")
  • Ruhepuls, Blutdruck
  • Landolt-Test
  • Color-Word-Test nach Stroop
  • Dynamometrie (Handkraftmessung)
  • DMF - Zahl
  • Sehschärfe (Visus)
  • Spirometrie (Vitalkapazität)
  • Optische Reaktionszeit
  • Akustische Reaktionszeit
  • Optische Folgereaktion
  • Viseomotorische Reaktion
  • Labyrinthtest
  • Tappingtest
  • Submaximaler Herz-Kreislauf-Belastungstest
  • Bio Impedanz Analyse
  • fakultativ: Hypoxietest; Own Index; Ergometertest

2. Circadiane Rhythmik

m die Messgenauigkeit des Vitalitäts-Checks zu garantieren, ist es wichtig, die circadiane Rhythmik des Menschen zu beachten. Somit sollte in den sogenannten tagesrhythmischen Erholungsphasen der Test nicht durchgeführt werden (nicht vor 8:00 Uhr morgens, nicht zwischen 13:00 und 15:00 Uhr und nicht nach 20:00 Uhr). Falls ein Verlaufstest gemacht werden soll, empfiehlt es sich, diesen immer um die gleiche Uhrzeit plus/minus 1 Stunde durchzuführen, um korrekte circadiane Vergleichszustände zu gewährleisten.

3. Kontraindikationen**

  • Fehlende Compliance des Kunden
  • Unzureichende Kenntnis der deutschen Sprache, Analphabetismus
  • (Sub-) Akute Erkrankungen
  • Cave: Herz-Kreislauf-Test bei Ruhepuls > 100/min.

Beachte:

  • Das Vitalitätsmuster kann ab dem 20. Lebensjahr bestimmt werden.
  • Der Functional Age Index FAI ist ab dem 35. Lebensjahr ermittelbar

Pilotstudie

Präparat: Die Substitution erfolgte als kontinuierlich kombinierter Östrogen- / Gestagenersatz in Tablettenform (2,0 mg Estradiolvalerat + 2,0 mg Dienogest; Lafamme ®)
Probanden: Es nahmen 41 Frauen mit klimakterischen Beschwerden an der ambulanten Intervallstudie teil.
Abbruch der Studie von zwei Probandinnen wegen klinischer Unverträglichkeit des Präparates (41/39) .
Die Testcompliance der Probandinnen lag bei 100% (39/39)!
Die Untersuchungsergebnisse von zwei Probandinnen waren wegen Jetlag am Tag der Eingangs- bzw. Ausgangsuntersuchung, die einer Probandin wegen Analphabetismus nicht verwertbar (39/36).
Drop-out-Quote: 41/36 = 12,2 %

Das kalendarische Durchschnittsalter der 36 Frauen lag bei 53,3 Jahren (48,9 - 64,6 J.).
Für die Auswertung wurden zudem 2 Altersuntergruppen von je 18 Teilnehmerinnen gebildet:
Altersklasse 1: Durchschnittsalter 51,0 Jahre (48.9 - 52,2 J.)
Altersklasse 2: Durchschnittsalter 55,7 Jahre (52,3 - 64,6 J.)
Studiendesign: Postmarketingstudie. Die Intervalluntersuchungen erstreckten sich auf 2 komplette Einnahmezyklen über 8 Wochen. Am Tag vor Beginn und zwischen dem 55. und 57. Tag der Hormonsubstitution wurde ein Vitalitäts-Check durchgeführt. Die Kautelen der circadianen Rhythmik wurden eingehalten (+/- 1 Stunde). Die Untersuchungen erfolgten im Zeitraum Ende 2001 / Anfang 2002 im Raum Leipzig.

Parallel erfolgten die notwendigen gynäkologischen Standard- untersuchungen durch die zuweisenden Frauenärzte einschliesslich einer subjektiven Wirksamkeits- und Verträglichkeitsbewertung. Die betreuenden Frauenärzte erhoben zugleich Kontrolldaten mit dem klassischen Fragebogeninstrument Menopause Rating Scale (MRS).
Auswertung: Das umfangreiche Datenmaterial wurde im Rahmen einer explorativen, deskriptiven Analyse statistisch ausgewertet. Die notwendigen statistischen Berechnungen wurden mit dem SPSS-Statistikprogramm durchgeführt.

Ergebnisse

1. Ergebnisse der Gynäkologie:

Es traten keinerlei sicherheitsrelevante medizinische Probleme auf.

Die zulassungsrelevanten Wirksamkeitskriterien waren erfüllt (Reduktion klimakterischer Beschwerden, erfasst mit MRS; vgl. Abbildungen 1a und 1b). Diese Befunde deckten sich mit den Ergebnissen, die mit dem Beschwerdefragebogen nach HÖCK und HESS, der ein Bestandteil der Vitalitätsexpertise ist, erhalten wurden (vgl. Abbildungen 2a und 2b).

Abbildung 1a: Menopause Rating Scale
Abbildung 1a

Abbildung 1b: Menopause Rating Scale
Abbildung 1b


Abbildung 2 a

Abbildung 2 b: Psycho-emotionale Beschwerden
Abbildung 2 b

2. Ergebnisse der Vitalitätsdiagnostik

Die Ergebnisse unserer funktionsdiagnostischen Prä-Post-Pilotstudie zum Nachweis eines Vitalisierungseffektes durch eine zweimonatige Hormonsubstitution bei klimakterischen Frauen können wie folgt zusammengefasst werden:

2.1 Functional Age Index (FAI)

In der explorativen Datenanalyse war eine signifikante Verbesserung des FAI um 9,77% von durchschnittlich 51,45 auf 46,41 zu verzeichnen( p< 0,01). Dabei lag der durchschnittliche Ausgangswert FAI-1 leicht unter dem kalendarischen Altersklassenmittelwert der Gesamtstichprobe (FAI-1=51,45 zu KA=53,33 Jahre). Dieser "Verjüngungs-" bzw. Vitalisierungseffekt durch Hormonsubstitution im Prä-Post-Vergleich ist bei der jüngeren Altersgruppe sogar noch stärker ausgeprägt als bei der älteren Untergruppe (6,39 Jahre zu 3,70 Jahre). Die entsprechenden Zahlenwerte sind der Übersicht 2 zu entnehmen.

Übersicht 2: Statistische Kennwerte der Studie zum Functional Age Index (FAI)
Übersicht 2

In den Abbildungen 3a und 3b sowie in Abbildung 4 sind die Ergebnisse der explorativen Datenanalyse des FAI für die Gesamtstichprobe und für die beiden Untergruppen graphisch dargestellt.

Abbildung 3: Explorative Datenanalyse des FAI
Abbildung 3: Explorative Datenanalyse des FAI

Abbildung 3: Explorative Datenanalyse des FAI
Abbildung 3: Explorative Datenanalyse des FAI

Die Abbildungen 5a-c verdeutlichen die "Verjüngungs"effekte durch HRT in den 3 funktionellen Altersgruppen (funktionell vorgealtert, altersgemäss, funktionell jünger).

Abbildung 5a: Funktionsalter und Verjüngungseffekt durch HRT
Abbildung 5a: Funktionsalter und Verjüngungseffekt durch HRT

Abbildung 5b: Funktionsalter und Verjüngungseffekt durch HRT
Abbildung 5b: Funktionsalter und Verjüngungseffekt durch HRT

Abbildung 5c: Funktionsalter und Verjüngungseffekt durch HRT
Abbildung 5c: Funktionsalter und Verjüngungseffekt durch HRT

Schliesslich findet sich in der Abbildung 6 die Veränderung des FAI durch Hormonsubstitution im Prä-Post-Vergleich für alle 36 Probandinnen individuell dargestellt.

Abbildung 6: Veränderung des FAI der 36 Probandinnen als Einzelfalldarstellung
Abbildung 6: Veränderung des FAI der 36 Probandinnen als Einzelfalldarstellung

2.2 Vitalitätsmuster

Selbstverständlich wurde das umfangreiche Datenmaterial auch einem Prä- / Post-Vergleich der Einzelvariablen unterzogen. In der Abbildung 7 sind die Veränderungen von ausgewählten Messwerten des Vitalitätsmusters beispielhaft dargestellt. Da jedoch eine Unabhängigkeit der gemessenen biopsychosozialen Funktionsgrössen des Testspektrums nicht anzunehmen ist, erlaubt der zur Verfügung stehende Stichprobenumfang der Pilotstudie keine hinreichend verlässliche statistische (multivariate!) Bewertung von Einzelvariablen. Diese Datenanalyse der Einzelvariablen bleibt einer in Vorbereitung befindlichen Breitenstudie vorbehalten.

Abbildung 7: Relative Veränderung von ausgewählten Messwerten des Vitalitäts-Checks
Abbildung 7: Relative Veränderung von ausgewählten Messwerten des Vitalitäts-Checks

Unabhängig davon lassen sich aber tendenzielle Veränderungen feststellen:
Die Ergebnisse der vorliegenden funktionsdiagnostischen Studie weisen differenziert auf eine psychoneuronale Systemwirkung der HRT sowohl auf cognitiver, psychomotorisch-reaktiver, emotional-sozialer und auch psychovegetativer Ebene hin. Der Vitalisierungseffekt spiegelt sich in allen diesen 4 Ebenen der zentralnervalen Funktionsebenen wider (Abbildung 8a und 8b).

Abbildung 8a: herunterladen PDF Dokument
Abbildung 8b: herunterladen PDF Dokument

Diskussion der Ergebnisse

Das klimakterische Syndrom gehört aufgrund seiner enormen epidemiologischen und klinisch-praktischen Bedeutung zu den Herausforderungen in der medizinischen Forschung. Erstaunlicherweise sind jedoch Publikationen zur Objektivierung klimakterischer Vitalitätsminderungen sowie der damit verbundenen Einschränkung der Leistungsfähigkeit und gesundheitsassoziierten Lebensqualität der betroffenen Frauen - sieht man von rein subjektiv erfassten Fragebogen-Rating-Scores zu Befindlichkeitsstörungen der Frauen ab - im internationalen Schrifttum nicht zu finden.

Die Gynäkologie kann sich jedoch der zunehmenden Forderung nach einer evidence-basierten Medizin (EBM) auf Dauer nicht verschliessen. Deshalb ist speziell für den Indikationsbereich "klimakterisches Syndrom und Hormonsubstitution" der Einsatz von funktionsdiagnostischen Evaluierungsinstrumenten sinnvoll und vielversprechend. Die vorliegende Pilotstudie diente explizit dazu, erste methodisch-praktische Erfahrungen zu sammeln sowie neuere Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung - die psychoneuronale Systemwirkung der HRT betreffend - unter dem Aspekt der verbesserten Indikationsstellung, Therapiekontrolle und Qualitätssicherung bei dieser Indikationsgruppe für die Frauenarztpraxis perspektivisch nutzbar zu machen.

Wir möchten die Ergebnisse der Pilotstudie wie folgt zusammenfassen:

1. Methodisch-praktische Eigenschaften des Evaluierungsinstrumentes

Mit dem Verfahren konnte erstmalig die nach einer nur zweimonatigen Hormonsubstitution eingetretene Revitalisierung und Verbesserung der gesundheitsassoziierten Lebensqualität der betroffenen Frauen interdisziplinär-integrativ in Form des ermittelten Vitalitätsindexes (Functional Age Index, FAI) und durch tendenzielle Veränderungen im Vitalitätsmuster messbar objektiviert werden. Der bis dato empirisch überzeugende Erfolg der HRT beim klinisch manifesten klimakterischen Syndrom kann somit für Arzt und Patientin sowohl summativ als auch differenziert messbar gemacht werden. Der Stichprobenumfang der Pilotstudie erlaubte den Nachweis einer statistisch signifikanten Verbesserung des funktionellen Altersstatus (FAI) dieser Frauen um durchschnittlich 5,04 Jahre.

Es handelt sich bei der Vitalitätsdiagnostik um ein kommunikatives Diagnostikverfahren, das heisst, der Patient bzw. der an seiner Gesundheit und Vitalität interessierte Kunde wird durch eine speziell und akribisch geschulte Fachkraft durch die gesamte computergestützte Untersuchung instruierend geleitet und begleitet. In der Regel dauert ein kompletter Check etwa 1 bis 1,5 Stunden; der Testablauf wird von den Patientinnen durchweg als ausgesprochen zuwendungsintensiv, spannend, abwechslungsreich, informativ empfunden.

Zugleich zeigten sich die Patientinnen deutlicher motiviert, interessiert und angeregt, sich mit Fragen von Gesundheit und Krankheit eigenverantwortlich unter fachkompetenter Anleitung zu beschäftigen. Dies - und natürlich die sich anschliessende Auswertung der Ergebnisse - fördert gleichermassen die Patientenbindung an den Arzt bzw. das Betreuungsteam sowie erfahrungsgemäss auch die Compliance der an ihrer Gesundheit und Vitalität Interessierten gegenüber den empfohlenen aktiven oder substitutiven Interventionsmassnahmen (Abbildung 9).

Abbildung 9: Vitalitätsmessplatz - Vorteile für die Frauenarztpraxis
Abbildung 9: Vitalitätsmessplatz - Vorteile für die Frauenarztpraxis

Dass sich das Instrument aufgrund seiner verlässlichen und sauber definierten testmethodischen Gütekriterien explizit auch für wissenschaftliche Anwendungs- und Evaluierungsstudien eignet, sei hier nur am Rande angemerkt.

2. Hormonsubstitution und psychoneuronale Systemwirkung - ein interdisziplinärer Therapieansatz beim klimakterischen Syndrom

Ihr unspektakulärstes und am meisten verbreitetes Einsatzgebiet in der klinischen Praxis hat die HRT seit Jahren im Bereich des manifesten klimakterischen Syndroms. Hier nutzt der Gynäkologe den empirisch überzeugenden Interventionserfolg der Hormonsubstitution bei symptomatischen klimakterischen Frauen mit ihrem mental-psychovegetativ akzentuierten Beschwerdebild. Vielfach gestützt werden diese Erfahrungswerte nun durch neueste Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung (Schlaflaborforschung, Depressivitätsstudien), die nicht nur die psychoneuronale Systemwirkung der HRT belegen, sondern auch die Verbesserung zentraler neurophysiologischer Funktionen durch Hormonsubstitution (vgl. 3-7; 15-17).

In Übersicht 3a bis c haben wir die in diesem Zusammenhang interessantesten publizierten Studien bezüglich ihrer Studienansätze, ihrer psychoneuronalen Erfassungsebenen sowie ihrer Behandlungsergebnisse zusammengestellt. Es wird deutlich, dass sich überraschend einhellig und übereinstimmend eine Verbesserung der psychoneuronalen Funktionen mit verschiedenen Testverfahren und auf unterschiedlichen Ebenen nachweisen lässt.

Übersicht 3a: Klimakterium und Hormonsubstiution/ Studienansätze
Übersicht 3a: Klimakterium und Hormonsubstiution/ Studienansätze

Übersicht 3b: Klimakterium und Hormonsubstiution/ Datenerfassung
Übersicht 3b: Klimakterium und Hormonsubstiution/ Datenerfassung

Übersicht 3c: Klimakterium und Hormonsubstiution/ Behandlungsergebnisse
Übersicht 3c: Klimakterium und Hormonsubstiution/ Behandlungsergebnisse

Die vorliegenden Ergebnisse unserer funktionsdiagnostischen Pilotstudie mit dem Vitalitätsmessplatz bestätigen tendenziell ebenfalls die differenzierte psychoneuronale Systemwirkung der HRT sowohl auf cognitiver als auch auf psychomotorisch-reaktiver, emotonial-sozialer und psychovegetativer Ebene. Sie stützen und ergänzen damit komplementär aus klinisch-methodischer Sicht die oben genannten wissenschaftlich-experimentell belegten neurophysiologische Erkenntnisse zur Wirkung einer HRT bei symptomatischen klimakterischen Frauen und stellen somit ein hilfreiches Bindeglied zwischen der Grundlagenforschung und klinischen Erfahrungswerten dar.

Es zeichnet sich somit die interessante und vielversprechende Möglichkeit ab, dem Gynäkologen ein vereinfachtes Messinstrument (HRT-Vital-Messplatz) für seine spezifisch praktischen Belange (Erfolgs- und Qualitätskontrolle der Hormonsubstitution; Complianceförderung; IGEL-Leistungen) zur Verfügung zu stellen.

Kontaktadressen

Dr. med. habil. Thomas Zimmermann,
Jenapharm GmbH & Co. KG, Otto-Schott-Str. 15, D-07745 Jena.
Tel. 0049-3641-646013, Fax -640104.

oder

Priv.-Doz. Dr. med. Dagmar Meißner-Pöthig,
Europäische Vereinigung für Vitalität und Aktives Altern e.V. Berlin, Dependance Leipzig. Business & Innovation Centre, Karl-Heine Str. 99, D-04229 Leipzig,
Tel. 0049-341-4912510, Fax -4912513.

Literatur

1. Mueck, A.O.: Hormonsubstitution zur Prävention des Herzinfarktes? J. Menopause 2 (2000)7-18
2. NIH National Institute on Aging: Hormon Replacement Therapie. (2000)PDF Dokument
3. Saletu, B. Estrogene, Vigilanz und kognitive Informationsverarbeitung. Panorama 1 (2000) 8-11
4. Linzmayer L. et al.: Double-blind, Placebo-controlled Psychometric Studies on the Effects of a Combined Estrogen-progestin Regimen versus Estrogen Alone on Performance, Mood and Personality of Menopausal Syndrome Patients. Drug Res. 51 (2001) 238-245
5. Zec, R.F. and Trivedi, M.A.: Effects of hormone replacement therapy on cognitive aging and dementia risk in postmenopausal women: a review of ongoing large-scale, long-term clinical trials. Climacteric (2002) 122-134
6. Rudolph, I.: HRT-Depressionsstudie: Hormonersatztherapie im Klimakterium in einer 64-Personen-Studie - Einfluss auf Stimmung und Depression. Unveröffentl. Material.
7. Zimmermann, Th.: HRT-Postmarketingstudie: Hormonersatztherapie im Klimakterium in einer 3.898-Personen-Studie - Einfluss auf geistige Leistungsfähigkeit, Depressivität und Schlafstörungen. Unveröffentl. Material.
8. Bürger, M.: Biomorphose - die Lebenswandlungskunde des menschlichen Organismus und seiner Funktionen. Ärztl. Fortbild. 5 (1956) 409-423
9. Meißner-Pöthig, D. et al.: "Anti-Aging" und Vitalität. J. Menopause (2002) 35-43
10. Olshansky, S.J. et al.: No Truth to the Fountain of Youth. Scientific American. (2002) 92-95
11. Pöthig, D.: Experimentelle Entwicklung eines klinischen Diagnostikmodelles zur Objektivie-rung des biologischen Alters des Menschen. Med. Habilitation. Leipzig 1984.
12. Meißner-Pöthig, D. und Michalak, U. (Hrsg.): Vitalität und ärztliche Intervention. Hippokrates Verlag Stuttgart, 1997.
13. Michalak, U.: Vitalität und Befindlichkeit: Stellenwert mental-psychomotorischer, emotionaler und psychosozialer Diagnostikparameter für die Vitalitätsberatung. In: Meißner-Pöthig. D. und U. Michalak (Hrsg.) Vitalität und ärztliche Intervention. Hippokrates Verlag Stuttgart (1997) 162-177
14. Meißner-Pöthig, D.: Vitalitätsdiagnostik: Gesundheit erhalten statt Krankheit verwalten. GeburtshFrauenheilk 60 (2000) M153-M159
15. Asthana,S. et al.: High-dose estradiol improves cognition for women with Alzheimer Disease. Neurology 57,2 (2001) 605-612
16. Avis, N.E et al.: Longitudinal study of hormonal levels and depression among women transitioning through menopause. Climactric 4 (2002) 243-249
17. Saletu, B.: Östrogene und die Vigilanz älterer Frauen, objektiviert mittels EEG-Mapping.
In: Lauritzen, Ch., Altersgynäkologie. Thieme Verlag Stuttgart (1997) 163-173

 

* Wir danken der MEDICA-Klinik Leipzig für die Kooperation bei der messtechnischen Durchführung der Studie.


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