Gesundheitsaspekt der Vitalität
Die zweite Dimension im Vitalitätsbegriff, die für die Ressourcenmedizin von grundsätzlicher Bedeutung ist, ist die funktionale Gesundheit / Krankheit des Menschen. Sie erschließt sich über die Fähigkeit zur Adaptation, die nur biologischen Systemen eigen ist.

Lebensalter, Adaptabilität und funktionale Gesundheit / Krankheit
– das operationale Vitalitätsmodell und seine Bedeutung für
Risiko- und Ressourcenmanagement des zukünftigen Gesundheitsmarktes
mit seinen Interventionsstrategien Gesundheitförderung, Prävention,
Therapie, Reha
Den Leser dürfte es interessieren: in den Ausbildungsstandards des medizinischen Expertensystems finden sich bis heute so gut wie keine Lehrinhalte zu den Themen Adaptationsfähigkeit und Adaptationspotenziale, Sano- oder Salutogenese und Ressourcenmanagement, Altern o.ä., wie sich überhaupt das Thema Präventionsmedizin im wesentlichen auf das klassische Risikomanagement (passive Prävention) beschränkt. Die Arbeits- und Sozialmedizin sowie die Gesundheitspsychologie und Sportmedizin als gewissermaßen anforderungsorientierte Fachdisziplinen seien hier ausgenommen. Auch die funktionale Betrachtung von Gesundheit und Krankheitwie sie die IFC (International Classification of Functioning, Disability and Health) fordert, eröffnet ressourcenorientierte Wege.
Es gibt also einen bedeutsamen, interdisziplinär erarbeiteten, bislang
ungenutzten Wissensvorsprung aus Entwicklungsphysiologie und Kommunikationsforschung,
Gesundheitspsychologie, Ernährungs-, Bewegungs- und Leistungsphysiologie,
Gesundheits- und Sozialwissenschaften u.a. benachbarten Fachdisziplinen
der Medizin. Es wird Aufgabe und Anliegen besonders der Präventionsmedizin
und des Gesundheitsmanagement sein, diese Bildungsressource für die
Gesundheitsbranche zu erschließen. Im Folgenden seien wichtige biologische
Prinzipien der Ressourcenmedizin kurz dargestellt. Entsprechende Hintergrundinformationen
– speziell für interessierte Kollegen und Nichtmediziner zusammengestellt
– sind nachzulesen im Artikel "Vitalitätsdiagnostik:
Gesundheit optimieren statt Krankheit verwalten"
und im Sachbuch
Anleitung zum Krankwerden (Meißner-Pöthig).

Adaptationsfähigkeit in biologischen Systemen - Äußere
Trainingsbelastung (Anforderung) und innere Trainingsbelastung (Beanspruchung).

Dosis-Wirkungs-Kennlinie eines Biosystems
Beachte:
Wiederholte, angemessene Reize fördern, fehlende und zu starke oder schwache Reize vermindern die aktuelle Funktionskapazität und Vitalität bis hin zur funktionellen Dysbalance. Angemessene (förderliche) Reize und „Bedienungsfehler“ (Über- und Unterbeanspruchung: „zuviel und zuwing ist ein Ding!“). Weitere wichtige Beanspruchungsregeln: Wiederholung und Regelmäßigkeit, Ausgewogenheit der Reize (vermeide einseitige, monotone und statische Beanspruchungen), besonders fehlende Reize (z.B. Bewegungsdefizit) machen krank!

Operationale Skala (Kontinuum) von Funktionszuständen in der Sanogenese
(Ressourcenansatz) und Pathogenese (Risikoansatz) von Lifestyle- und Zivilisationserkrankungen.
Die Interventionsbereiche primäre, sekundäre und tertiäre Prävention können den operational dargestellten Funktionsbereichen Gesundheit, Störsyndrom (nicht mehr gesund und noch nicht krank!), manifeste Zivilisationskrankheit sinnvoll zugeordnet werden, wissenschaftliche Grundlage für ein ressourcenorientiertes Normwert-, Ordnungs- und Klassifikationssystem.
Die wichtigsten gesundheitlichen Fehlbeanspruchungsfelder in unserer Lebensweise sind auf dem Terrain Bewegung, Ernährung sowie emotional-sozialer und chronobiologischer Stress zu finden. Zivilisation kontra Evolution, Lifestyle kontra Genetik – das Biosystem wird auf Dauer „falsch bedient“. Zivilisationskrankheiten entstehen …. Entsprechende Interventionskonzepte haben sich im Rahmen der öffentlichen und betrieblichen Gesundheitsförderung breit durchgesetzt.

Ursachen des viel zitierten 6. Kondratieffzyklus a) evolutionsbiologisch
pervertierte Beanspruchung des „Wohlstandsbürgers“ mit
konsekutiven Gesundheitsstörungen als „Markt“ der Zukunft.
Zusammenhang zwischen Gesundheitsressourcen und demografischem Wandel:
Kumulation der Gesundheitsstörungen m Alternsgang (Multimorbidität
im Alter)!
Die Fach- und Sachliteratur zu diesem Thema, Fortbildungsprogramme, Medieninformationen, Produkte und Dienstleistungsangebote sind bunt, der Markt zum Teil wildwüchsig und für den Verbraucher meistenteils noch undurchsichtig. Hier gilt es in den nächsten Jahren, Qualitätsstandards und Transparenz zu schaffen – eine weitere interessante Herausforderung für die Ressourcenmedizin!
Ursachen des viel zitierten 6. Kondratieffzyklus b.) Vitalität und
zivilisatorische „Bedienungsfehler“ des Biosystems in Arbeit,
Schule und Freizeit

Ursachen des viel zitierten 6. Kondratieffzyklus c.) zur Entstehung wichtiger
Zivilisations- und Volkskrankheiten
Zwischenresümee zum Gesundheitsaspekt der Vitalität
„Lifestyle“ kann Krankheit wie auch Gesundheit produzieren. Die Produktionsregeln sind heute weitgehend bekannt.
Die operational unzureichend untersetzbare WHO-Definition (1986) von Gesundheit (körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden) wird hier um die Dimension der Vitalität als operational zugängliche und damit evidenzfähige Funktionsgröße (HEALTH Monitoring Systems, siehe auch ICF 2006) erweitert:
Vitalität repräsentiert nicht nur die ressourcenorientierten Dimensionen Funktionalität und Befindlichkeit, sondern schließt per definitionem auch die Basisdimensionen Alter und Geschlecht ein. Vitalität ist damit konsensfähig für den Ressourcenansatz „Gesund + Krank“ (HEALTH Monitoring Systems) sowie „Jung + Alt“ (AGE Monitoring Systems). Sie steht für einen interdisziplinären und integrierten biopsychosozialen Ansatz.
Basisreferenzwerte der Vitalität für die Normalbevölkerung stehen zur Verfügung.
