Altersaspekt der Vitalität
Vor allem das Thema Altern wird für die Erschließung von Humanressourcen in unserem Land als Innovationspromotor, aber auch als Kosten-, Produktivitäts- und Rentabilitätsfaktor interessant werden. Dies ist der veränderten Altersstruktur unserer Gesellschaft geschuldet und sensibilisiert unter dem Stichwort demografischen Wandel unterschiedliche gesellschaftliche Kräfte.
Im Folgenden seien deshalb moderne Erkenntnisse der Alternsforschung
(Gerontologie) stichwortartig dargestellt. Dem am Detail und Hintergrundinformationen
Interessierten wird die Übersichtsarbeit
„Anti-Aging“ und Vitalität (Meißner-Pöthig
et al.)
sowie das Fachbuch Vitalität
und ärztliche Intervention (Meißner-Pöthig und Michalak)
empfohlen.

Altern als permanenter lebensbegleitender Struktur- und Funktionswandel:
„Biomorphose“ (nach Bürger)
Asynchrone Verläufe von körperlichem, geistigem und seelisch-sozialem
Altern (nach Hofecker)

Beachte:
Kalendarisches Altern (Chronologisches oder Ausweisalter)
Altern kann nicht auf die Rückbildungsphase reduziert werden.
Die Ursachen des Alterns kennen wir nicht, wir können heute den Alternsprozess
phänomenologisch (anhand seiner Erscheinungen) jedoch umfassend und
ziemlich genau messen.
Funktionales Alter
Alternsprozesse lassen sich insbesondere in ihrer psychisch-sozialen Dimension
keinesfalls auf defizitäre Prozesse reduzieren. Eine Verbesserung
der Funktionskapazitäten bis weit in die zweite Lebenshälfte
ist z.B. nachgewiesen für Qualitäts- und Verantwortungsbewußtsein,
Urteilsfähigkeit, soziale Kompetenz und soziales Wohlbefinden, selbständiges
Handeln, Erfahrungswissen, Jobperformance…
Rollenalter
Die klassischen „Alters“vorurteile wie z.B. „jung =
unerfahren“, „alt = leistungsgemindert“ bedürfen
einer anforderungsdifferenzierten Bewertung (Beispiele: „alter“
40jähriger Mittelstürmer, aber „junger“ 40jähriger
Fußballtrainer.
Zwischenresümee zum Altersaspekt der Vitalität
Die Erkenntnisse der modernen Alternsforschung unterstützen explizit den Ressourcenansatz der Präventivmedizin: ein reduktionistisches, am kalendarischen oder einseitig am körperlich-funktionalen Alter ausgerichtete Defizitmodell der Vitalität und Leistungsfähigkeit hat keine Berechtigung! Vielmehr werden wir uns in Zukunft verstärkt am sogenannten funktionalen Alter (integrative Vitalitäts-Expertisen; evidenzbasierte Altersdiagnostik; AGE Monitoring Systems) und dem Rollenalter orientieren müssen, um ein effizientes Ressourcenmanagement zu gewährleisten.
Es ist abzusehen, dass sich unsere Gesellschaft einem differenzierten Umgang mit dem Thema Alter (etwa unter dem Aspekt Optimierung von Lebensarbeitszeit, Einführung einer flexiblen Altersgrenze, Produktivitätsressource älterer Mitarbeiter und ähnlichen altersbezogenen Ressourcen) sowie der evidenzbasierten Funktionalen Altersdiagnostik als Qualitätssicherungssystem in Prävention, Therapie und Rehabilitation verstärkt zuwenden wird.
Basisreferenzwerte des Funktionalen Alters für die Normalbevölkerung
stehen zur Verfügung.
