Europäische Vereinigung für
Vitalität und Aktives Altern e.V.

Gesundheit und Krankheit

Ressourcenorientierte Strategien in der medizinischen Forschung und Lehre

In der Medizin werden Menschen dann als krank betrachtet, wenn sie den Arzt aufgesucht haben und ein objektiver Befund erhoben werden konnte. Dies ist allerdings nur ein schmaler Ausschnitt aus einem viel größeren Geschehen. Viele Personen suchen trotz ernsthafter Beschwerden und Leiden keinen Arzt auf. Bei anderen Personen wiederum kann der Arzt keinen objektiven Befund erheben, die Patienten fühlen sich aber subjektiv in ihrem Befinden sehr beeinträchtigt.

Die klassische Sichtweise der Medizin war die pathogenetische Betrachtungsweise. Es werden Ursachen gesucht, die für die jeweilige Erkrankung verantwortlich sind. Inzwischen hat auch die Medizin unter dem Eindruck von politischen Gegebenheiten es aufgegeben, sich aufs rein Kurative zu beschränken und man versucht jetzt auch, präventiv tätig zu werden, d. h. den Ausbruch von Erkrankungen zu vermeiden. Es ist jedoch notwendig, noch einen Schritt weiter zu gehen und die salutogenetische Betrachtungsweise in den Vordergrund zu rücken. Hier wird danach gefragt, welche Bedingungen es einem Menschen ermöglichen, gesund zu bleiben. Im Gegensatz zur Prävention, die ja schädliche Einflüsse zu verhindern sucht, setzt die Gesundheitsförderung auf das Salutogenesekonzept. Die Gesundheit als positives Gut soll gefördert werden.

Mit dieser Betrachtungsweise ist es jedoch auch geboten, die rein defizitorientierte Betrachtung von Erkrankungen zu verlassen und auch mehr auf eine ressourcenorientierte Betrachtung umzusteigen. Die Ressourcen vermögen es, den Menschen gesund zu erhalten und vor der Erkrankung zu bewahren. Wir können und müssen uns in der Forschung auch fragen, warum Personen mit hohem Risiko nicht erkranken. Hier können wir positive Bedingungsfaktoren aufspüren, die ein Gesundbleiben ermöglichen.

In der Lehre ergeben sich durch die neue Approbationsordnung vielfältige Möglichkeiten, solche Inhalte auch zu vermitteln. So gibt es z. B. ein Querschnittsfach Prävention und Gesundheitsförderung. Es gibt auch ein Querschnittsfach, das die Rehabilitation beinhaltet und ein Querschnittsfach, das sich mit dem Altern beschäftigt. Für die Ausbildung von Medizinstudenten ergeben sich damit vielfältige Möglichkeiten, die Gesundheitsförderung zu behandeln.

Die ressourcenorientierte Betrachtung ist allerdings nicht nur für die Gesundheitsförderung nützlich, sondern die Ressourcenorientierung ist geradezu unverzichtbar bei der Bewältigung von vor allem chronischen Erkrankungen.

 

Abstract zum: 1. Innovationsforum Gesundheitsressourcen"
Verantalter: eVAA e.V. gefördert von BMBF

Autor:

Prof. Dr. rer. biol. hum. habil. Elmar Brähler, Prodekan der Medizinischen Fakultät - Universität Leipzig

geboren am 03. März 1946 in Fulda, studierte Mathematik und Physik in Gießen. Zwischen 1969-1994 Tätigkeit am Zentrum für Psychosomatische Medizin in Gießen (Direktor Prof. Dr. Dr. Richter) in der Abteilung Medizinische Psychologie Von 1991 bis 1994 Gastprofessur im Rahmen des Hochschulsonderprogramms an der Universität Leipzig und seit 1994 Leiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig. Seit Oktober 2002 Prodekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig


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